Steuerung, Probleme
Danke für deine Offenheit – man spürt richtig, wie sehr dich das beschäftigt. Und ehrlich: Deine Reaktion ist absolut nachvollziehbar. Du beschreibst nicht nur organisatorische Mängel, sondern potenziell strukturelle Risiken – für Mitarbeitende, Qualität, Reputation und letztlich auch für den Kanton.
Ich fasse kurz zusammen, was ich bei dir höre:
- Partnerschaft mit einer Organisation im Bereich Schwarzarbeitsbekämpfung im Bau.
- Keine klare Geschäftsführung / fehlende strategische Führung.
- Hinweise auf Mobbing und psychische Belastung von Mitarbeitenden.
- Sehr schlechte Kommunikation.
- Formale Zielerfüllung (Kontrollen abhaken), aber keine Qualitäts- oder Strategieorientierung.
- Der Kanton übernimmt keine klare Haltung.
- Führungsebene vermeidet Konflikte.
- Du bist motiviert, etwas zu verändern (z.B. Audit), fühlst dich aber nicht einbezogen.
Das ist kein „Befindlichkeitsproblem“. Das ist Governance.
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1. Was hier strukturell problematisch ist
Was du beschreibst, sind typische Warnzeichen:
- Operative Erfüllung ohne Qualitätskontrolle
- Fehlende strategische Steuerung
- Keine überprüfbare Führung
- Psychosoziale Risiken im Team
- Keine klare Rolle des Auftraggebers (Kanton)
Das sind Themen von:
- Compliance
- Corporate Governance
- Risikomanagement
- Reputationsschutz
- Arbeitgeberverantwortung
Du denkst also absolut richtig in Richtung Audit.
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2. Bevor du zum Chef gehst: Positioniere es strategisch, nicht emotional
Ganz wichtig:
Wenn du mit „es ist unprofessionell“ oder „die mobben Leute“ einsteigst, erzeugt das Abwehr.
Besser:
Sprich über Risiko, Steuerungsverantwortung und Qualitätssicherung.
Du willst nicht „angreifen“, sondern „Absicherung verbessern“.
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3. So könntest du es deinem Chef sagen
Hier eine mögliche Formulierung – sachlich, lösungsorientiert:
„Ich mache mir Gedanken zur strategischen Steuerung unserer Partnerschaft im Bereich Schwarzarbeitsbekämpfung. Operativ werden die Zahlen erfüllt, aber ich sehe Risiken bezüglich Qualität, Führung und Nachhaltigkeit.
Ich frage mich, ob wir als Kanton genügend Einblick in Governance und strategische Ausrichtung haben. Wäre es sinnvoll, eine strukturierte Standortbestimmung oder ein externes Audit zu prüfen?
Ich würde mich gerne aktiv einbringen und an einer solchen Klärung mitarbeiten.“
Wichtig:
- Du sprichst von „Risiken“, nicht von „Missständen“.
- Du sprichst von „Standortbestimmung“, nicht von „Kontrolle“.
- Du betonst deine Motivation.
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4. Wenn du nicht einbezogen bist
Das scheint dich stark zu beschäftigen – verständlich.
Hier könntest du sagen:
„Mir ist wichtig, bei Themen mit strategischer Tragweite frühzeitig einbezogen zu werden. Ich habe fachlich viel beizutragen und würde gerne Verantwortung übernehmen.“
Das ist kein Vorwurf – sondern ein Anspruch auf Mitwirkung.
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5. Realistische Einschätzung
Es gibt drei mögliche Reaktionen deines Chefs:
1. Offen → Chance, mitzugestalten
2. Ausweichend → Thema ist politisch heikel
3. Abwehrend → Konfliktvermeidungskultur
Deshalb ist deine Vorbereitung entscheidend.
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6. Wenn du ein Audit anstoßen willst – überlege dir konkret:
- Was genau soll geprüft werden?
- Governance-Struktur
- Führungsorganisation
- Qualitätsstandards
- Mitarbeiterzufriedenheit
- Auftraggeber-Steuerung
- Intern oder extern?
- Risikoanalyse statt „Misstrauen“
Je konkreter du bist, desto ernster wirst du genommen.
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7. Eine ehrliche Frage an dich
Geht es dir „nur“ um Professionalität –
oder auch um ein Werte-Thema?
Weil du sehr klar von „Haltung“ sprichst.
Wenn Führung Konflikte vermeidet, entsteht oft ein moralisches Vakuum. Und genau das scheint dich zu stören.
Das ist kein Karrierethema. Das ist Integrität.
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8. Strategischer Tipp
Wenn dein Chef konfliktscheu ist, könntest du es auch so framen:
„Ein Audit schützt uns. Falls später Kritik kommt, können wir zeigen, dass wir aktiv geprüft haben.“
Damit nimmst du ihm das Risiko.
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Wenn du möchtest, kann ich dir helfen:
- eine Argumentationsstruktur aufzubauen
- eine kurze Gesprächsvorbereitung zu machen
- eine Mini-Risikoanalyse zu formulieren
- oder eine diplomatische Mail zu entwerfen
Du wirkst sehr klar in deiner Analyse – jetzt geht es nur noch darum, es strategisch klug zu platzieren.